Foto von Uschi Steinhauer

 
TRÄUMEND
 
am rande einer waldlichtung
lässig über mir schwebend
mit vornehmer bewegung
ein bussard
seine kreise dreht
die sanft im winde
sich neigenden  weiden
das quaken der frösche
vom nahegelegenen teich
so wunderbar
sonnenlicht durchstreift
die unergründliche stille
genußvoll
spüre ich die sonne
für einige zeit
frei von wolken
und ein regentropfen
auf meinen lippen
fließt das universum
 
 

 

 

 
 
 
 
 
 
 
WIE DER WIND
 
durchbreche ich
die schranke
bei rasender fahrt
höre ich
die unendliche leere
schreiend verhallen
doch still ist mein herz
beim aufbruch
den himmel zu stürmen
 
 
 
 
 
 
 
DICHTER NEBEL
 
du schöne unschuldige
fröhlich elegante
in deinem kurzen weißen faltenrock
und rotem samthaarband
ich möchte mich vergraben
im nassen
glitzernden jungen flaum
deiner achselhöhle
aufsaugen
den leichten moschusduft
zwischen deinen kühlen schenkeln
mit meinen fingern
durch dein haar gleiten
um vor aller augen
dich zu nehmen
wie eine fleischig voll erblühte
auf dem tisch
beim frühstück
in der vollig überfüllten abflughalle
 
 
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VERLEGENHEIT
 
ich sehe dich
doch nur an
ich sehe
in dich hinein
ich sehe
an dir vorbei
ich reibe mir die augen
es ist doch nichts passiert
 
 
 
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ANARCHISCH

ich schließe meine augen
vor eurem lichte
und werde zum tier
was wollt ihr denn
mit euren gesetzen
euren regeln
ich weiß nichts von moral
strecke mich aus
im schlamm
und trockne an der luft des wahnsinns
 

Foto von Uschi Steinhauer

ERWACHE
 
tausche es ein
dein idyllisches gehabe
gegen die reife des lebens
aus erster hand
mit dem mut
zu mehr kampf
mehr entbehrungen
mehr schmerz
mehr enttäuschungen
mehr bitterer wahrheiten
um nicht noch mehr
zu verwahrlosen
 
 
 
 
 
WAHRUNG DER IDEALE
 
ich steige empor
aus sumpfigem nebel
dieser sogenannten zivilisation
ich habe genug
vom blendenden lichte
ihrer kultiviert  gezüchteten seelen
die nicht verstehen
geräuschvoll
das schweigen
 
 
 
 
 
 
ANHÄUFUNG
 
die gleichgültigkeit und verachtung
unter den menschen
nimmt bedenkliche ausmaße an
andere hautfarbe
andere nationalität
reichen aus
um verprügelt
erschlagen
bei lebendigen leibe verbrannt zu werden
polierte glatzen
mit bomberjacken und scheiße im hirn
treiben ihr unwesen
andere
nehmen sich ihr leben
weil
in einer gesellschaft
voller egoismus und kälte
mit ihren gefühlen und ängsten
alleine gelassen
vergessene
ihr tod zeigt auf
dass sie wohl doch gelebt haben
mehr und mehr
machen wir menschen
aus diesem wundervollen planeten
einen blutleeren friedhof
wo schreckliches zur gewohnheit wird
je häufiger es auftritt
 
 
 
 
 
 
ZUSTAND
 
verbrauchte luft
auf dem weg
der heuchelei
macht nur weiter
ich befinde mich
im schatten
der einbildungen
ich revoltiere
 
 

Foto von Uschi Steinhauer

OUVERTÜRE
 
aus fleischigem leibe
die ausgestreckte hand
die leisen worte
fließend überhört
im trubel des alltags
der ruf
nach wegweisendem drehen
am zeiger des ablaufs
im strudel irdischen seins
aufgabe des hauslebens
geschlossenen auges
im meer der leiden
das hohe lied der töne
kraniche
aus dem fernen  süden
flugs
unterm gleichgewicht des firmaments
verkünden singend
mit flügelschlag
den klang der selben
 
 
 
Wer sich bewegt spürt seine Ketten
 

 

 

 

BRÖCKELNDE STEINE

geruchlose löcher
im ozon
betrachten weinend
kloaken
die lautlos
in ihren betten
die augen schließen
gezeichnet
von den dingen
die seltsam hallen
als echo
unserer eigenen spiegelbilder
 
 
 
 
 
LAUTLOS
 
blicke
die sprechen
ohne worte
vielsagend
der klang
liebevoller wärme
augenblicke
im blick
 
 
 
 
 
BEISPIEL
 
die kälte
durch die kraft der sonne
leicht erwärmt
welke blätter
rauschend
im chorgesang
den weg bereiten
für das neue grün
erneuerung
in voller pracht
jedes jahr im frühling
seht hin
ihr derben
vollgefressenen
stinkenden leiber
 
 
 

WEHMUT

gefühlt
beglückende lebensphase
zeitweise die erinnerung
tief wie zart
wenn auch nicht
ohne die eigene schuld
der empfundene verlust
reinigender nähe
ich mache eine pause
mein geliebtes du
 
 
 
 
 
RESIGNATION
 
ich spüre meinen widerstand
gegen arsenale vorgefertigter ideen
ich lehne mich auf
gegen das maßlose unrecht
in dieser welt
ich lege es darauf an
zu mißfallen
aus freien stücken
unverschämt zu sein
untragbar zu sein
weil vieles unerträglich
vor vielem mir graut
schreie ich in euer angesicht
was schrecklich ist
kann nicht gefallen
was absurd ist
kann nicht lehren
was ohne hoffnung ist
kann nicht trösten
ich nehme es übel
wende mich ab vor ekel
und warte
bis der vorhang fällt
kapitel zwei
und es war einmal
 
 
 
VERSCHLISSEN
 
auch du
wirst ähnlich
den dingen
der beschäftigung deines wesens
wobei
in einem moment
der antwort
die wunden wirken
wie verbrennungen
und immer heftiger
wird dann
erklärend klar
die blasse leere
hört nicht mehr zu
 
 

 

 

 
 
AUSHAREN ODER FLIEHEN
 
den kopf besetzt
ungeheuer logisch
rational
klar einsehbar
da bleibt keine zeit
fürs sein
im alltäglichen wirrwarr
der zentralheizung
bei bier 
bei steaks
und ausgefransten gesten
fehlt der raum
für verwandlung
in dem nicken
nein bedeutet
 
 
 
 
FINDET IM NICHTS
 
ich falle
in dieser zeit
die unentwirrbar
trügerisch und unerbittlich scheint
mit meinen flügeln
ohne federn
niedergebeugt
gedemütigt
erstarrten sinnes
mit leeren händen
im drama des lebens
 
 
 
 
 
 
NACHWEHEN
 
rumorende wollust
im porenschweiß
sich windet
feuchtes gelände
himmel und hölle
in rosiger benommenheit
dein leib
sich mir entzieht
was bleibt
ist sintflutartig
klebriges ergießen
in die erbärmlichkeit
 
 
 
 
 
PROGRAMM
 
unmenschlichkeit
barbarei
mord und todschlag
eine nicht enden wollende liste
von menschenhand verübter scheußlichkeiten
die medien bringens in die gute stube
keine mittel an fortschritt und erfindung werden gescheut
um hirne mit neuen greueln zu füllen
stumpfe duldung der menschen
vor ihren flimmernden kisten
gleichgültigkeit
gegenüber den täglichen bildern
unschuldiger kinder
frauen und männer
die erschossen
verstümmelt
bei lebendigem leibe verbrannt
gefoltert oder vergewaltigt werden
leblose körper
wie müll auf karren verladen
und das alles
in bequemen sesseln
bier und erdnüsse in reichweite
bei freiem eintritt
in farbe und direkt
da wird kultur zum puren hohn
die wie eine fata morgana
über einem von hingemordeten leichen
angeschwollenen meer schwebt
 
 
 
 
 
 
DER LIEBE WEGEN
 
ich überlasse dir meinen platz
unter der dusche
bei technoklängen
augensprache
voller neugier
wortlos tief
tropfenweise
dein achselschweiß
von meinen lippen aufgesogen
unbeschreiblicher wonnekitzel
das berauschend
aufreizende unverhülltsein
deines apricofarbenen körpers
ausgelassene extase
verrücktheit
einfache fröhlichkeit
genießerische lüsternheit
wußte ich nicht schon immer
dass es keine liebe gibt
die sich nicht noch steigern läßt
und reduziere mich auf meine idee
 
 
HELLER UND SANFTER
 
letzte zufluchtstädte
totenstille der wildnis
ich scheue sie nicht
solange noch die sonne scheint
und eine melodie erklingt
unter den sternen
reiche mir deine hand
bevor alles erlischt
es wird keine nacht mehr geben
 
 
 
 
 
 
BALLGEFLÜSTER
 
lachen und weinen
hoffen und irren
hassen und lieben
ein verworrener tanz
im bunten reigen der masken
beim karneval des lebens
wer will sich da noch zurechtfinden
 
 
 
 
 
REAL TV
 
massenhafter notruf
blutleeres
verzeih mir
gesichtsloses
bitte melde dich
druckvoll meinen  arsch begleitet
auf dem weg zum scheißen
toilettenspülung
 
 
 
 
 
 
UM JEDE ZEIT
 
traurigen schmerz
gibt es genug
elende wut
gibt es genug
mich gibt es auch
in einer welt
die jeden sinn
für werte verloren
nutze ich jede gelegenheit
euch auf die hühneraugen zu treten
 
 
VERGITTERTE FENSTER
 
saufereien und festgelage
von zeit zu zeit
das sterben im tageslicht
mit leerem magen
auf vollen straßen
augenblicklich
ein seltsam dichter menschenbrei
gleich
einem dicken
in den rinnstein fließenden samenstrom
erstickungsgefahr
stimmengemurmel
vermischt
mit hustender verwesung
einer lärmend stinkender blechlawine
asphaltsonne
schlüpfrige bürgersteige
was bleibt
im kalten nebel
überquellender abfallkörbe
ist eine chance
im müll der zeit
gebt sie ihr
die atempause
 
 
 
 
 
MUT
 
 
früher hatten wir
unsere kinderträume
heute müssten wir
des öfteren mal fragen
was tun wir
mit uns
und anderen
 
 
 
 
 
VOR AUGEN
 
ich höre nicht auf
an dich zu denken
unter buschwindröschen
dein bewölkter körper
im eng dekolletierten kleid
die üppig fügsamen brüste
darbietend
lachend wie eine lampe
die brennt
hinter splitterndem glas
wenn der morgen
seine krallen gezeigt hat
 
 
 
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Akt-Aquarell von Patricia Deutsch
 
 
TAGESANBRUCH
 
hoch oben
bei blendender helle des schnees
auf der dunklen bühne
unterm eckigen himmel
der einsamkeiten
das echo
unsäglicher traurigkeit
fiebernächte
reifer mädchenkörper
fruchtbare düfte der wollust
und dem seltsamen  durst
nach unbekanntem
 
 
 
 
DIE LIEBE
 
tief wie das meer
ganz ohne überschwang
gleich einem fluß
der gurgelt und glitzert
wo immer er fließt
ob über steine
morast
durch ebenen oder gebirge
die in allem glüht
was ihr begegnet
in allem glüht
was sie sieht
der nichts rein
oder unrein
deren flamme oder freude
niemanden verdunkelt
schwerelos
unbelastet
als sei die welt ihr spiel
weise sehend
jenseits aller unbill
ruhig wie ein atemhauch
auf dem grunde des wassers
weit
so unermäßlich weit
wie der ozean
ist sie frei
mit allem eins
im herzen aller dinge
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Metropole
 
vertrautheit
das empfinden
der eigenen unwichtigkeit
wildes tempo im getriebe
niemand weiß so recht
was das ganze soll
ungelenkter kräftestrom
unglaublich bizarr
verwirrend
fazinierend
vollkommen ungeortnet
die straße entlang
mitten auf einem platz
vier intellektuelle bäume
von pflastersteinen genährt
unter selbigen
ein alter mann
mit weißem backenbart
seine notdurft verrichtet
die schönen
ausgemergelten
szenepflänzchen
argwöhnig beäugt
von ottonormalverbrauchern
alles ist eng
häuser,straßen,gesichter
umarmungen,liebesaffären
trivialitäten
hauptverkehrsadern
abstoßend
wie abgeleiteter eiter
eine stadt die gärt
wie ein kranker organismus
über einem gähnenden abgrund
grotesk monströs
ich liebe dich
berlin
 
 
Preview
 
 
 
Warum bist du so schweigsam
 
In einer Zeit
Des fühlenden Kennenlernens
Der Annäherung voller Spannung
Des neuen unter der Schädeldecke
Im Herzen liebevolle Betrachtung
Der Träume in meinem Kopf
Die Suche
Nach Antwort
Lebt in mir
Der Blick mancher Augen
Und das Gefühl dass da was ist
In einem mehr als nur Vorbeihuschen
Will die Leere beschrieben werden
Mit den Dingen
Dem wortlos schönen
In mir
Den Himmel öffnen
Während dem miteinander
 
 

Foto von Uschi Steinhauer