Zeichnung-Patricia Deutsch

 
 
Und es war taghell
 
Irgendwoher
Der ruf eines vogels
Das atmen eines versteckten rinnsals
Laute der natur
Bunt gefärbt
Wie aufgenäht
Fügen sich die formen
Zu einem ganzen
Fern allem dunst
Fast schwebend
Ohne reglos zu verharren
In der mitte angelangte neue richtung
Entwirrtes andere
Voll aufgeräumtem tiefenlicht
Was mich bannt
Im raum ohne fenster
Gehen mir die worte aus
 
 
 
 
Preview
 
maskerade
 
mein kopf
ein nest aus flammen
ich ersticke
und kann nicht singen
im konzert der geister
magie und falscher düfte
infantiler musik
geknickter dornen
aufgewühltem wasser
laternenhaargeflecht
geburt
vergangenheit und zukunft
versinken im nichts
ich protestiere
tauche ab
auf der suche nach dem ausgang
ich bin es nicht
genug der irrtümer
 
 
 
 
 
wachsende schatten
 
schritte
unterm wolkenlosen himmelsausschnitt
hängt die sonne
als orangene scheibe
in warmes licht getauchte erinnerungsfetzen
bruchstücke einer begleitmusik
wie durch ein vergrößerungsglas
treibt der wind
die neue angst
und tausend andere
durchs gewölk
doch die sternentore öffnen sich nicht
es war ja nur das leben
wo jede wahrheit verlogen
 
 
 
 
 
 
 
GLEICHGÜLTIGKEIT
 
eine seuche
wie ein roter faden
zunehmend
schneller
blind
die hindernisse umgeht
im innern
überzieht der schimmel
die entblößte sichtbarkeit
 
 

Akt-Aquarell von Patricia Deutsch

 
 
 
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GOURMET

ein kalb
erblickt
im lichte dieser erde
nichts ahnend
tellerfertig
die speisekarte
na dann
gesegnete mahlzeit
 
 
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Zeichnung-Patricia Deutsch
 
 
 
 
KIND
 
nach neun monaten
im leibe deiner mutter
ihrem heftigen stöhnen
keuchen und drücken
dein austritt
einem moment der stille
dein schrei
mit noch ungeübten stimmbändern
als erster laut
den die welt noch nie gehört hat
alles gute
alles liebe
auf deinem weg
 
 
 
 
 
 
 
 
WIRKLICHKEITSGEMÄSS
 
da saß er
im straßencafe unter den linden
der emotionale spaltpilz
zwischen uns
wohltun zu lassen
ohne liebe
heißt das nicht
ins finstere zu blicken
oder hast du schon einmal
einen fisch
in seiner eigenen scheiße schwimmen sehen
laß uns gehen
 
 
 
 
PreviewAquarell-peter lind
 
 
 
WELCHE FEHLER
 
betrachte meine lächerlichkeit
meinen unbeherrschten zorn
während die sonne geht
weile ich für stunden
geistig
im sphärenschlaf des übels
 
 
 
 

 

WIE ÜBERALL

verwahrlost und verwest
zeigt sich die menschnatur
diese sogenannten gebildeten
in ihren faschingskostümen
ohne kraft
ohne geist
jedem funken vernunft
wird schnell der rücken gekehrt
ich bin es leid
mich wegzuwerfen
trauben zu suchen in der wüste
blumen auf dem eisfeld
die unheilbarkeit dieses jahrhunderts
ein einzig possenspiel
 

Akt-Aquarell von Patricia Deutsch

 
 
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Ich übe mich
 
das leben
eine frage die es zu beantworten gilt
verbunden mit dem wunsch
jemanden zu finden
der die gleiche sprache spricht
 
 
 
Aquarell-peter lind
 
 
 
Folglich
 
du bleibst wie du bist
und liebst mich wie ich bin
einfalt die mir fremd ist
im anders sein
gehe ich
und schließe die tür
 
 
 
 
PLENUM
 
du redest mit mir
ich verstehe dich nicht
wortstöße
die abprallen
ich spreche zu dir
aber so
dass du mich nicht verstehst
ich spreche weiter
du verstehst noch weniger
ich schreie
nichts dringt ein
und wenn
sprachentstellung
tohuwabohu
ejakulation
geschiedener figuren
 
 
 
 
 
 
 
AUFBRUCH
 
ich tauche meine finger
in dein glas
gefüllt mit wein
stehe auf
du bist entzaubert
meine augen
werde ich öffnen
wenn du gehst
 
 
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DORINA
 
dein gesicht
im lichte des mondes
erhellte neugier
grinsende genüßlichkeit
zusammengeballtes jetzt
unglaublicher moment
vollgesogen mit liebe
geschichten
innerhalb wortreichem schweigen
still wie ein schlafender wald
fast traum
ohne wolken
dein lächeln
auf dem schmalen weg
gib mir ein stück schokolade
wir haben uns
 
 
 
 
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HERBSTSOMMER

 

wolkig düstere tage
die sich eintrüben
getragen
von der eigenen schwere
dick undurchsichtige stille
von düften eingeschläfert
die rötliche färbung des laubes
noch unschlüssig
von den zweigen zu fallen beginnt
kündet an
ein vorgefühl
herbstlicher offensive
neben den birken
wenn die sonne
über den wolken bleibt
 
 
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SEELENPROSTITION
 
das leben wäre so schön
ohne diese häßliche sache
die wir daraus gemacht haben
sie verpflichtet zu nichts
kann jederzeit ausgetauscht werden
die innere revolution lebt
frei denken
ohne angst
ohne schablone
nicht imitieren
sich selbst entdecken
ein neues makeup
gegen die dunkelheit
während die romantische liebe
im mysterium nahrung findet
onaniere ich mir ins rückenmark
und halte fest
an für mich bestimmten
auserwähltem
 
 

Akt-Aquarell von Patricia Deutsch

 
 
 
Preview
 
 
 
denk immer
gedanken
wozu nützen sie
hinter einem gesicht
eingeschliffen
lautlos und verwirrend
im loch
persönlicher anwesenheit
die fragen
durch meine seele ziehen
der zahllosen augenblicke
die erlebt
einfach so
beiseite gewischt
um die vergangenheit auszuschließen
in der gewesen
was ich fühle
und mir gehört
mir alleine
wie ein zementklotz
dieses graue
langsame verlöschen
meiner traurigkeit
macht nur die entfernung klar
hinter der tür
die geschlossen
mit der liebe
in mir
muß ich durch
denn fallen
kann ich nur auf mich selber
 
 
 
Staudamm
 
freundlicher blick
hinter zur schau getragenem lächeln
knirschend
wie rostiger sand
jenes andere gesicht
dahinter
bleibt nichts
außer dem eindruck
nachlässig arrangierter echtheit
tut weh
mit offenen augen
zu hören
mein denken
erschreckend häufig
die erfahrung
nun stehe ich da
und spüre
den rostigen stacheldraht
und die angst
mich nackt zu zeigen
im schmerz
meiner trüben tiefe
 
 
Zeichnung-peter lind
 

 

VERTIEFUNG

da sitze ich
neben dem von mir
angeheizten glutofen
meine nerven gespannt
während diesem gewäsch
das sich sprache nennt
wie ein strom warmer pisse
reiht sich wort an wort
gerede wie leeres stroh
ein krebs
ein delirium
merkst du denn nicht
dass du eine frau hast
die ihre hand
zwischen meinen beinen
wohltuend langsam
in müder perfektion
fließen die ströme
die ich trieb
zu nichts nutze
diese satzfetzen
mehrerer stimmen gleichzeitig
woran denkst du
über das ende hinaus
 
 
 
PreviewAquarell-peter lind
 
 
 
 
HOCHMUT
 
gespannter bogen
pfeilschnell
stiften
die gifte des bewußtseins
schlafloser nächte
verwirrung
in körper und geist
katzen sind auf mäusejagd
ein blick in den spiegel
die tarnung funktioniert
 
 
 
 
 
 

Aquarell-peter lind

 
 
 

 

                                                          Stellung
 
aus schlichtem heim
der weg zur arbeit
heiter banal
täglich trauriges vergnügen
trügerischer nützlichkeit
 
 
Preview

 

SPÜRST DU MEINE LIEBE

das prickeln im bauch
durchrieselt mich
bilder
gedanken
strömen unablässig
über der wirklichkeit des erdbodens
der gestreifte himmel
spiegelt meine sehnsucht
einer unhörbaren
ausgemalten süße
die erfüllt
über dem gläsernen meer
unbändiger lust
folgen die töne
den tropfende brombeertränen
dem lächeln auf deinem gesicht
den fältchen um deinen mund
und die liebe
leise anhebend
allmählich anschwellend
voran
zurück
irgendwohin
unter meiner haut
ohne überzogenen staub
spüre ich sie lodern
und das leben selbst
 
 
 
 
hoffnung
 
es leidet die moderne welt
am wahn der zerstreuung
einer kultur
schwatzender
lärmender
unruhevoller
seelenloser freude
ein abirren
von der eigentlichen menschnatur
ohne wahrhafte entwicklung
ist das resultat
löse dich meine liebe
 
 
 
 
ein stück erinnerung
 
die nacht
herausgeputzt
du und ich
vermummt
am feuer mit den funken
die gen himmel stoben
der violett
mit sternen besetzt
wie ein lachen
vor meinen augen hing
und das spüren
wie leicht es ist
da zu sein
ohne das gewicht
das ich mir
und dem was ich annahm
stets beimaß
 
 
 
PreviewZeichnung-peter lind

 

 
 
 
FLUGANGST
 
Ich lege  meinen Kopf in den Nacken.
Meine Mundwinkel werden von einem leichten lächeln umwoben als ich meine Augen öffne und in die volle Pracht des Vollmondes blicke. Gedankenstille, ein Privileg, welches ich mir zu selten genehmige. Einfach den Moment und die Ruhe genießend,atme ich tief ein 
Mein Blick folgt dem Hauch des Atems der durch die Nacht, erhellt vom Mondschein, seinen Weg in die Endlichkeit beginnt.
Da durchläuft ein Gedanke meinen Kopf...
„ Erschreckt mich das Leben in zunehmendem Maße, weil ich immer wieder merke, wie verwirrt und abhängig mein Bewußtsein ist, mein Empfinden mir gleichzeitig bestätigt, daß es ganz andere Wege geben muß, die Dinge zu sehen und zu leben ?" 
Ich atme schwer, beinahe als müsste ich die verbrauchte Luft aus meiner Lunge zwingen und blicke in die schwarze, dunkle Unendlichkeit der  Nacht.
Ein Raum in dem ich nie war.
Spiegel können sprechen,
erfassen den Blick.
Das Wesentliche wird dann deutlich
wenn alles andere vergessen ist.
Langsam beginne ich mir auf meiner Unterlippe herumzukauen, das mache ich wohl immer, wenn ich nachdenke.
Ich lege meinen Kopf  gedankenversunken auf meine Fingerknochen und blicke flach über den Handrücken hinab nach draußen.
Draußen ist alles so laut und grell, für die Öffentlichkeit bestimmt.
Ich tauche ein ins Theater und die Musik um mich herum.
Die Welt der Klänge,eine ständige Neuschöpfung.
Ich fühle mich unbeobachtet
am Fenster der Sonne
Werde ich  angesprochen, ohne die trübenden Filter meiner Vernunft, Ängste, Vorurteile und eingefahrener Denkgewohnheiten.
Ich sehne mich.
Die Kindheit legt alles fest.
Ich muß versuchen die brennende Flamme zu löschen.
Ich muß aus der Zeit fallen.
Um sie ewig zu bewohnen
 

 

 

STEINGESICHT

taghimmel
regengrau
nur selten
wirken die konturen weich
es riecht nach heimat
ein wort
unwirklich
stets verschleiert
kühl wie porzelan
lächelt
erwacht zum leben
wenn auch verzerrt
in den pupillen
erblicke ich fragend
schenkst du mir
eine stunde deiner zeit
 
 
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FRIEDEN

einsam
unter menschen
mit ganzer seele fremd
fühle ich
den atem in meiner brust
ich lebe nicht mehr
ich halte es aus
 
 
 
 
 
KETTE OHNE GLIEDER
 
chaos vor dem abgrund
lähmende reizüberflutung
todstellreflex
langeweile
demütigung
schmerzliche erinnerungen
innere tumulte
widersprüchliche emotionen
dissonanzen
massive selbstzweifel
unsicherheit
angst
panik
isolation
depression
absturz
 
 
 
Aquarell-peter lind
 
 
 
 
IN MIR
 
ich bezwinge keine wüsten
durchstreife keine urwälder
besteige keine berge
überquere keine kontinente
ich ergründe
das geheimnisvolle hinterland
meines geistes
ich trage es in mir
als amulett um meinen hals
entfalte dich
 
 
 
Preview
 
 
 
VERGANGENHEIT
 
es ist nicht nötig
sich umzudrehen
zurückzublicken
um zu sehen
dass wir versagt haben
die dinge sprechen für sich
sie klagen an
im hier und jetzt
 
 
 
Preview
 
 
 
BLOSSES EXISTIEREN
 
ist es das
was du leben nennst
schöpfer des eigenen elends
verkommen
zum spielball der eigenen nichtigkeit
mit der unkenntnis
eigener besitztümer
lege sie ab
diese haltung der gleichgültigkeit
bewahre dich vor selbsttäuschung
der stunde des erwachens
mit der feststellung dessen
wie leer
trostlos und vereinzelt
du in deiner hilfslosigkeit bist
 
 
 

Zeichnung-peter lind

 
BETRACHTEN
 
sitzendes schweigen
hörst du mich
nicht über
an mich denke ich
schien mir
in solch tiefer ruhe
und erkannte
war da nicht das wesentliche
ganz deutlich
nachdem alles andere vergessen
 
Preview
 
 
 
REGENTAGE
 
mit meinen düsteren sinnen
mißmutig verschlossen
warte ich
auf zärtliches frühlingserwachen
auf heiter warmes blau
das die landschaft
neu erblühen lässt
zeitumstellung
 
 

ERSTE REGEL

welch ein irrtum

welch ein zweifeln
phantasie die einschläft
worte ihren sinn verlieren
da ich nichts weiß
schweige ich
und bleibe mein geheimnis
 
 
 
ALLES IST NICHTS
 
steingrauer abend
in allen richtungen
graugelb zotteliges gras
unbewegt
die endende zeit
am gleichen fleck
stillstehender traum
unter tropfenden bäumen
brennt die welt
samt festgelegten regeln
verstaubten resten
so vieler vergangenheiten
und dazwischen
die aufblitzenden reklamen

Aquarell-peter lind

 
 
 
 
 
 
ICH LIEBE DICH
 
nein
sagt dein mund
entzieht sich dem
was noch alles war
und füllt verräterisch
den leeren raum
als wär er fleischgewordener stein
und der wunsch
bleibt totes gefühl
 
 
Aquarell-peter lind

 

 

STILLE STRÖMT AUS DER ERDE

weil es weh tut
als habe die sonne
ihre wärme verloren
frage ich
dein gefrorenes lächeln
war darunter nichts
nur maske
nackte mauer
die nicht antwortet
ich habe doch erst angefangen
geschichten auf deine haut zu schreiben
hast du nicht zugehört
 
 
 
 
 

WIE DER WIND

durchbreche ich
die schranke
bei rasender fahrt
höre ich
die unendliche leere
schreiend verhallen
doch still ist mein herz
beim aufbruch
den himmel zu stürmen
 
 
 
 
 
 
 

 

 
VERLEGENHEIT
 
ich sehe dich
doch nur an
ich sehe
in dich hinein
ich sehe
an dir vorbei
ich reibe mir die augen
es ist doch nichts passiert
 
 
 
 
 
 
 
RÜSTUNGSINDUSTRIE
 
granaten
bomben
kugelhagel
im blute abgetrennter glieder
einer abgetrennten welt
verzweifelte gesichter
die fragen
nach dem sinn
dem warum
nicht einen augenblick
mal innehalten
im sinnlos kranken
geistig blinden
tauben
 

Zeichnung-peter lind

 
 
 

 

 

 

 
 
 
 

Foto von Uschi Steinhauer